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Freitag, 11. Mai 2007

Mittwoch, 9. Mai 2007

Die europäischen Wurzeln der Mennoniten

Die Wurzeln der Mennoniten in Europa reichen bis in die Zeit der Reformation zurück. Für die Entwicklung der Mennoniten war in dieser Zeit der Schweizer Ulrich Zwingli, der Leutpriester des Großmünsters in Zürich, von entscheidender Bedeutung.
Er positionierte sich schon in der Zeit um 1520 mit seinen Predigten deutlich kirchenkritisch, in dem er sich gegen Ablasshandel, das damalige Papsttum und den allgemeinen Sittenverfall aussprach. Zur öffentlichen Auseinandersetzung kam es dann im Jahre 1522 als mehrere Zwingli nahe stehende Personen in dessen Anwesenheit Fastenbruch begangen.
1523 kam es durch die erneute Diskussion um die Zehntenfrage zu Konflikten zwischen Zwingli und einigen seiner Gefolgschaft, denen Zwinglis Positionierung in dieser Frage nicht deutlich genug war. Im Herbst 1523 setzten dann die ersten Bilderstürme ein.
1525 kam es zu erneuten Auseinandersetzungen zwischen Reformationsverfechtern und dem Rat der Stadt, diesmal ging es um die Tauffrage. Entgegen eines Ratsbeschlusses führten die Anhänger Zwinglis am 21. Januar 1525 erste Erwachsenen- und Wiedertaufen durch, was ihnen den Beinamen „Täufer“ oder „Wiedertäufer“ einbrachte. Diese und weitere Taufen führten schließlich zu einer starken Verfolgung der Täufer. Auf die Wiedertaufe wurde die Todesstrafe verhängt, im Januar des Folgejahres kam es daraufhin zu ersten Hinrichtungen.
Die seit 1525 stetig zunehmende Verfolgung bedingte eine schnelle Verteilung der Täufer im gesamten Oberdeutschen Raum und 1526 bis in die deutschsprachige Schweiz, Süddeutschland, Tirol, Österreich und Mären hinein und somit auch eine dementsprechende Verbreitung der Gesamtbewegung. In der Folgezeit kam es auf Grund der großen räumlichen Entfernungen aber auch durch inhaltliche Auseinandersetzungen(vor allem über das Verhältnis des Christen zur Waffengewalt zur Durchsetzung seiner Überzeugungen) zu unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb des Täufertums. Einige Strömungen des Täufertums gingen an ihrer revolutionär-gewaltsamen Einstellung zu Grunde.

Die Abspaltung der Amischen von der übrigen Täuferbewegung

Im Jahre 1534 sprach sich eine Täuferbewegung um Obbe Phillips öffentlich gegen erfolgte gewalttätige Ausschreitungen aus.
Diesen „Obeniten“ schloss sich 1536 Menno Simons an, der sich in kürzester Zeit zum wichtigsten Täuferführer entwickelte. Gegen die radikalen Gruppen verstand er es, den verbliebenen Täuferströmungen eine neue, gemeinsame Identität zu geben, in deren geistigen Mittelpunkt die Wiedergeburt und die Absonderung von der Welt standen.
Er vereinte die Täufer in freichristlichen Gemeinden, die daher auch den Namen „Mennoniten“ erhielten.
Im Züricher Raum hatte das Täufertum nur in den ländlichen Gebieten weiter bestehen können, im Emmental konnte sich trotz aller Widrigkeiten eine größere Gemeinde bilden.
Alle Versuche der Behörden konnten die Täufer nicht zur Abkehr von ihren Werten bewegen. Erst nach beginnenden Deportationen, dem Kontaktverbot der Einheimischen zu den Täufern und als die einzige Einnahmequelle aus der Landwirtschaft durch Enteignungen versiegte, entschlossen sich viele Familien zur Auswanderung.
Viele von Ihnen siedelten sich daraufhin im Gebiet des Freiburger Juras, im Elsass, in den Niederlanden oder in der Pfalz neu an, da sie dort Zuflucht fanden.
Gegen 1693 kam Jakob Amman aus Bern ins Elsass. Er warb aktiv unter den Mennoniten für eine deutlich verschärfte Gemeindezucht im Sinne der Dordrechter Bekenntnisse (Siehe Religion). Für die übrigen Mennoniten bedeutete dies eine deutliche Verschärfung, da sie lediglich eine Gemeindeexkommunikation, jedoch bei Verstößen keine Meidung im sozialen Bereich praktizierten. In der Mehrheit der mennonitischen Gemeinden konnte sich diese strenge Bannpraxis nicht durchsetzen.
Jedoch bildeten sich einige kleine Gemeinden im Elsass und später auch in Bayern, Hessen und der Pfalz, die im Sinne von Amman eine schärfere Gemeindezucht ausübten und besonderen Wert auf schlichte Kleidung legte, die die Gläubigen vor Hochmut bewahren sollte. Diese besonders strengen Mennoniten bekamen nach ihrem geistigen Vater den Beinamen „Ammaniten“.
Auf Grund der anhaltenden Verfolgung und Unterdrückung, denen die Mennoniten in Deutschland ausgesetzt waren, wanderte ein Großteil von ihnen bis in das 19. Jahrhundert nach Amerika aus.

Die Entwicklung der Amischen in der USA

Schon bereits im Entstehungsjahr der Amischen siedelten Mennoniten aus den Niederlanden und Norddeutschland nach Nordamerika über. Neben der stetigen Verfolgung und Unterdrückung lösten vor allem Kriege Wanderungswellen aus, die allerdings nicht nur Mennoniten, sondern Mitglieder aller Konfessionen erfassten.
Eine der ersten Anzahlmäßig bedeutsamen Emigrationswellen fand zw. 1717 und 1732 statt, als insgesamt 3000 Menschen aus der Pfalz nach Pennsylvania übersiedelten.
Der genaue Zeitpunkt, an dem zuerst Amische Siedler nach Amerika übersiedelten ist unklar, erst durch die ab 1727 geführten Passagierlisten der Schiffe lässt dich ihre Einwanderung nachweisen. Die ersten amischen Siedlungen waren sehr klein und in ihrer Existenz stark gefährdet, was vor allem durch angreifende Indianer, anderer missionierende Religionsgruppen und interne Streitigkeiten zurückzuführen ist. Meist bestanden diese ersten Siedlungen aus verwandten Familien, erst später wuchsen sie über familiäre Bindungen hinaus.
Die amischen Siedler waren in ihrer neuen Heimat vor allem als Landwirte, in zweite Linie auch als Handwerker und Landarbeiter tätig.
Zwischen 1816 und 1860 kam es zu einer zweiten großen Einwanderungswelle, bei der Mennoniten aus Gemeinden aus ganz Deutschland und der Schweiz nach Nordamerika kamen. Sie ließen sich vorwiegend in den Bundesstaaten Ohio, Indiana, Illinois, Iowa und auch im kanadischen Ontario wieder.
Für die amischen Mennoniten war das 19. Jahrhundert das einwanderungsstärkste Jahrhundert, in diesem erreichten ungefähr 3000 die neue Welt.
Die Auswanderung der Amischen nach Amerika sicherte wahrscheinlich die Überlebungsgrundlage dieser religiösen Minderheit, denn sie fanden dort Bedingungen vor, die für sie von existenzieller Wichtigkeit waren. Denn während die amischen Gemeinden in Deutschland sich nicht halten konnten und von nahe stehenden Religionsgemeinschaften assimiliert wurden, haben sich die amischen Gemeinden in den USA zu homogenen und stabilen Gemeinschaften entwickelt.
Dem traditionellen amischen Ursprung sind jedoch nur die Old Order Amish streng verwurzelt geblieben. Andere Amische Gruppen haben sich während des 19. und 20 Jahrhunderts auf Grund von Meinungsverschiedenheiten (vor allem über die Akzeptanz von technischen Neuerungen) abgespalten.
So entstanden auch unterschiedliche Amische Gruppen, von denen sich jedoch die meisten im Laufe der Zeit in die Mennonite Church integrierten. Neben den Old Order Amish haben sich nur noch die Peachy Amish Mennonites und die New Order Amish bis heute halten können, allerdings ist ihre Anzahl äußerst gering.
Gegen Ende der 90er Jahre hatten die Amischen bereits Siedlungegebiete in über 20 Bundesstaaten der USA. Die größten geschlossenen Siedlungsgebiete befinden sich heute in Adams County/ Ohio, Lancaster County/ Pennsylvania und La Grange County/ Indiana.